Mit dieser zwar ungewöhnlichen, aber überaus interessanten Methode kann das fischen auf Karpfen in Revieren mit einem sehr dichten Brassenbestand wieder einigermaßen erträglich sein. Kennen gelernt habe ich diese eher ungewöhnliche Art zu fischen in den frühen 80iger Jahren im österreichischen Völkerrmarkter Stausee. Dieser See war damals berühmt wegen seiner kapitalen Carps, aber auch wegen seiner überaus großen und gefräßigen Brassen. Findige steirische Fischer haben aus dieser Not eine Tugend gemacht.
Was sind Kürbiskernplatten?
Beim pressen des sehr begehrten steirischen Kürbiskernöles fallen als Nebenprodukt nahezu 30cm runde und bis zu 3cm dicke Scheiben als Pressrückstände an. Diese Scheiben sind die sogenannten Kürbiskernplatten -nachfolgend nur noch KK Platten genannt. Diese KK Platten sind sehr hart gepreßt und benötigen im Wasser bis zu 50 und mehr Stunden um sich komplett aufzulösen. Unsere Fische, insbesonders die Karpfen sind ganz wild auf dieses sehr preiswerte Lockfutter. In Österreich kostet ein Kilo lediglich EUR 0,28 und ist aus den diversen steirischen Ölmühlen zu bekommen. Mein persönlicher Jahresbedarf beträgt etwa 200 - 250kg und wird natürlich immer ganz frisch direkt aus der Mühle bezogen.
Vorbereiten der Montage
Mit einem Hammer wird die KK Platte in vier Teile zerschlagen und bei einem Teil mit einem Akku Bohrer ein 4mm großes Loch gebohrt. Nun eine etwa 30cm lange Schnur vorbereiten, an deren jeweiligen Ende eine Schlaufe gebunden wird -siehe Foto. Dieses Plattenstück übernimmt dann in der Folge die Funktion des Karpfenbleies. Wichtiger Hinweis: als Hauptschnur sollte man mit dieser doch sehr schweren Montage mindestens eine 40er Mono, besser noch eine 50er auf der Angelrolle haben.
Nun zum Köder mit der ungewöhnlichen Hakengröße 5/0
Mit diesen riesigen Haken -der im angefügten Foto gezeigte ist ein Owner Modell 5111- werden nun mit Sicherheit die störenden Brassenbisse vollkommen aufgeschaltet. Als Köder kann man nun auf diesen Haken etwa 9 - 10 ganze Maiskörner, die idealerweise einen Tag lang eingeweicht werden sollten, direkt auf den Haken aufgesteckt. Selbstverständlich muß die Hakenspitze vollkommen frei sein. Die fertige Ködergröße beträgt im gezeigten Fall 48 x 30mm, aber wegen der enormen Größe bitte keine Sorge, denn ein guter Carp kann und wird diesen Köder locker einsaugen.
Vorbereitungen an der Futterstelle
In einer ganzen Platte wird in der Mitte ein Loch gebohrt und eine etwa 30er Mono Schnur angebunden, dann wird die Höhe des Wasserstandes ermittelt und ein Styroporblock etc. als Marker in dieser Höhe befestigt. Diese Maßnahme dient nun in der Folge als Lockstelle für zwei Tage. An dieser Stelle wird ein Kübel Mais -ich dämpfe ihm stets im Honigwasser- im Radius von mehreren Metern verstreut. Bevor nun der Styro Block nach etwa 45 -50 Stunden abtriftet, sollte bei einer längeren Session neuerlich eine neue KK Platte, gewissermaßen als rollierendes System, ausgebracht werden.
Zusammenstellen und ausbringen der Montage
Die im Foto gezeigte Einheit wiegt exakt 533g, ist also viel zu schwer um mit einer Angelrute zur Futterstelle ausgeworfen zu werden. Persönlich verwende ich dazu stets ein Boot, es ist aber auch durchaus möglich eine Luftmatratze etc. zu verwenden. Nun gehe ich dazu folgendermaßen vor: in das gebohrte Loch der viertel KK Platte wird nun die Schnur eingeschauft -siehe Foto- und das andere Ende der Schnur mit einer weiteren Schlaufe in den Lead Clip eingehängt. Anschließend bringe ich die nun fertige Montage zur Futterstelle hinaus, lege diesen aber etwa drei Meter von der KK Platte entfernt ab. Die drei Meter Entfernung von der Platte sind insofern wichtig, um bei einem eventuellen Anbiss ein verheddern zu vermeiden. Es ist erstaunlich wie alsbald nun die herumsuchenden Carps den Styropor immer wieder in alle Richtungen drücken.
Der Köder und die eingeschlaufte viertel KK Platte wird von mir alle 12 Stunden gewechselt, es ist aber auch durchaus möglich die Montage mitunter 24 Stunden bei der Futterstelle zu belassen. Mit dieser Methode kann man tatsächlich selektiv auf große Karpfen und Graskarpfen fischen, ohne lästige Beifänge befürchten zu müssen.
Josef Fleischhacker
PS:Fotos siehe bitte im Anhang
editiert von: Drohne, 09.08.2006, 16:27 Uhr
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